Der Altar in verschiedenen Traditionen

Heute soll es darum gehen, wie Altäre in verschiedenen Religionen und spirituellen Traditionen beschaffen sind. Meist stehen sie als Zentrum in der Mitte oder in der Richtung der Ausrichtung des Rituals und bieten eine Sichtbar-Machung des Göttlichen. Noch dazu sind sie als Ablage für die rituellen und zeremoniellen Werkzeuge zu nutzen. Und immer noch dienen sie in vielen Gegenden der Welt als Opferstätte. Es ist kein Wunder, dass es sie auf der ganzen Welt gibt. Und noch dazu sind sie einfach nur schön. In diesem Artikel gibt es einige schöne Fotos und kurze Beschreibungen zu Altäre auf der ganzen Welt. Schon auf diesen Bildern ist gut zu erkennen, dass Altäre in verschiedenen Religionen und spirituellen Traditionen unterschiedlich aussehen.

Frage:
Zu welcher Tradition fühlst du dich zugehörig?
Wie wird der Altar in dieser Tradition aufgebaut?

Werfen wir einen Blick in den Osten, wo die Praxis eines nicht-christlichen Altars seit Tausenden von Jahren ungebrochen ist. Und wo der Gedanke einen persönlichen Altar zu haben und ihn auch zu benutzen völlig selbstverständlich ist.
Ein gutes Beispiel ist dafür der Feng Shui-Altar, den man in quasi allen chinesischen Restaurants und in den meisten Asia-Läden findet. Fast immer ist es direkt gegenüber des Eingangs, weil das glückverheißend ist. Dort brennen Lichter, Räucherwerk und werden (Speise)opfer dargebracht. Geschmückt ist der Altar mit Symbolen, die Glück, Wohlstand und Gesundheit bedeuten und anziehen. Ausgerichtet ist der Altar und manchmal auch der Aufbau auf dem Altar nach dem Bagua, den „Strukturgitter“, das Räume in Zonen korrespondierend zu bestimmten Lebensbereichen zuordnet. Es gibt auch private Altäre, die entsprechend anders gewichtet sind. Die Hauptaufgabe eines Feng Shui-Altars ist es das Chi im Raum zu harmonisieren und das anzuziehen, was er repräsentiert.
Ein Yoga-Altar hingegen ist stets zur persönlichen Meditation und Andacht gedacht. Auf ihm finden sich oft Bilder von Gurus der eigenen Tradition, Statuen von hinduistischen Göttern, eine oder mehrere Kerzen und frische Blumen. Manchmal werden auch täglich frisch Reis, Milch oder Süßigkeiten in Schalen geopfert. Yoga wird betrieben, um Erleuchtung zu erlangen. Auch der Altar soll diesem dienen. Über Götter oder Gurus zu meditieren kann nach Yoga-Glauben zur Erleuchtung führen und die Gaben sollen die Götter gewogen machen.

Übung:
Integriere für einige Zeit diese Gedanken und Ideen in deinen eigenen Altaraufbau!

Werfen wir noch ein Blick in die Vergangenheit, oder besser gesagt in die wieder belebte Vergangenheit, auf rekonstruktive Glaubensrichtungen wie Celtoi, Religio Romana oder Helenismos.
Im Celtoi gibt es den Clarnus, den Opfertisch. Er steht (meist) nach Süden oder Westen ausgerichtet. Auf ihm befinden sich je nach Ritual, das begangen wird, eine Statue oder ein Bild des verehrten Gotts oder der verehrten Göttin und ein kleines Licht. Ganz wichtig ist das Eichenlaub, mit dem der Altar als Zeichen für den Weltenbaum bedeckt ist und das in keinem Ritual fehlen darf. Vor dem Clarnus werden die Opfergaben und Ritualgegenstände aufgebaut. Wer mehr zu Celtoi erfahren möchte, findet in der Celtoipedia viele spannende Artikel.
Die wunderbare Curtis hat einen sehr informativen Artikel über Altäre im römischen Rekonstruktionismus geschrieben; dem muss ich nichts hinzufügen. Mehr Infos zum Lararium im Cultus Deorum findet man auf der sehr guten und inzwischen größten deutschsprachigen Seite zur Religio Romana Mos Maiorum.

Frage:
Was davon erkennst du in deiner Praxis oder deiner Tradition wieder?

Egal welcher Hexentradition du angehörst, wir sind alle von der klassischen Vorgaben der Wicca beeinflusst. In der Mitte vorne liegt das Pentakel, links davon liegen Stab, Athame und die Räucherschale, dahinter steht die Statue des oder eines Gottes und eine Kerze für ihn. Rechts neben dem Pentakel stehen eine Schale Wasser, eine mit Salz und die Glocke; dahinter steht die Statue der oder einer Göttin und eine Kerze für Sie. Hinter dem Pentakel steht der Kelch und die Kekse.

Frage:
Was ist bei dir genauso? Was anders?

In der Reclaiming-Tradition gibt es keinerlei Vorgaben für den Altar. Reclaimer*innen kommen aus so vielen verschiedenen spirituellen Traditionen und alle bringen ihre eigenen Ideen und Vorstellungen mit.
Mein Altar ist sehr schlicht, weil ich persönlich viel Dekoration für zu viel halte. Ich habe zwei Kerzen für Göttin und Gott stehen und eine Räucherschale, weil das Räuchern mich auf den Alten Pfad geführt habe und immer noch für mich wichtig ist. Je nach Jahreskreisfest, das gerade aktuell ist, und magischen Arbeiten, die gerade für mich in Gange sind, habe ich noch andere Symbole auf ihm liegen.
Eine Reclaiming-Schwester kommt aus dem Katholizismus und Hexenkult und Yoga spielen in ihrer Spiritualität eine große Rolle; sie hat ein Diptychon mit Jesus und Maria, eine selbstgebastelte Große Göttin und ein Bild von ihrem Guru dort stehen.
Beeindruckend fand ich auch die Geschichte einer Frau, die einen schrecklichen persönlichen Verlust erlebt hatte und nichts mehr – auch nicht mehr Symbole für die Göttin – auf ihrem Altar ertragen konnte. Bei ihr stand nur noch ein Spiegel, in dem sie sich selbst sehen konnte.

Frage:
Was spiegelt deine Geschichte auf deinem Altar wider?

Übung:
Räume deinen Altar einmal komplett ab. Und dann errichte ihn neu. Überlege dir wofür er stehen soll, was er ausdrücken soll, was seine Aufgabe sein soll. Reinige ihn zeremoniell, und dann schmücke ihn neu. Was stellst du darauf? Was bedeutet es? Hat es für dich eine eigene Bedeutung? Wo kommt es her? Wofür dient er? Was dient dieser Aufgabe? Was anderen? Vielleicht hast du mehrere Ideen; mache dir in deinem Buch der Schatten Aufzeichnungen, Skizzen, vielleicht sogar Fotos.

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5 Antworten zu Der Altar in verschiedenen Traditionen

  1. veledalantia schreibt:

    Wunderbarer Beitrag zu diesem Thema. Danke von Herzen ♡

  2. „Mehr Infos zum Larum im Cultus Deorum findet man auf der sehr guten und inzwischen größten detuschsprachigen Seite zur Religio Romana Mos Maiorum.“

    Danke für das Lob, kurze Anmerkung, es hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen – es heißt „Lararium“ nicht Larum 😉

    Vale,
    Ludovicus

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