Ahnenaltar

Wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen
– afrikanisches Sprichwort

In diesem Sprichwort findet auf der einen Seite das positive Gefühl von in-einer-Tradition-zu-leben, Kontinuität und Verbundenheit, auf der anderen Seite zeigt es aber auch, dass wir manchmal die Aufgabe haben, die ungelösten Probleme der Ahnen aufzuarbeiten. Die Einflüsse unserer Vorfahren, die Art, wie sie ihr Leben lebten, prägen uns und unser heutiges Leben. Wir sind jedoch nicht die Gefangenen dieser „Prägung“; wir tragen immer noch die Konsequenzen für unsere persönlichen Entscheidungen und können die Richtung, in die wir gehen wollen, frei bestimmen.
Doch tragen wir zum Teil auch die Konsequenzen der Entscheidungen unserer Ahnen. Mit den Problemen des GAUs von Fukushima zum Beispiel werden sich noch viele, viele Generationen nach uns herumschlagen. Aber auch auf persönlicher Ebene werden Probleme oft weitergegeben. Häusliche Gewalt, emotionaler und sexueller Missbrauch, aber auch „weniger schwerwiegende“ Probleme wie Unzufriedenheit mit dem, was man hat, Neid und Missgunst oder Lieblosigkeit werden oft von Generation zu Generation weitergetragen und es braucht eine starke Persönlichkeit, die diesen Kreislauf durchbricht und das Problem in ihrem Leben angeht und löst. Deshalb kann „Ahnenarbeit“ hilfreich sein.

Frage:
Arbeitest du mit deinen Ahnen? Wie? Wie spiegelt sich das auf deinem Altar wider?

In indignen Kulturen spielen Ahnen oder Ahnengeister eine große und wichtige Rolle. Wie im Film Vaiana zu sehen ist, können die Geister als Tiere oder in menschlicher Gestalt erscheine, die Rat geben, den Weg weisen oder Trost spenden. Sie sind mächtige Verbündete.
In Stammesgemeinschaften, in denen es naturgemäß eine enge Verbundenheit (und ein animistisches Weltbild) gibt, erscheint es nur zu verständlich, dass die Stammesmitglieder auch nach ihrem Tod noch um das Wohl ihrer Lieben und Nachkommen besorgt sind und sie unterstützen wollen.
Vermutlich ist es ein zutiefst menschlicher Wunsch, dass unsere Lieben, wenn sie sterben, immer noch da sind, erreichbar sind. Schon in der Steinzeit fangen Menschen an Begräbnisriten durchzuführen. Die Gründe werden dieselben gewesen sein wie heute: Abschied nehmen und eine „gute Überfahrt“ zu ermöglichen.Und wenn sie gut angekommen sind, können sie ja auch ein Auge oder zwei auf uns werfen.

Frage:
Inwiefern bist du von dieser Sichtweise beeinflusst? Was sind deine Ahnen für dich?

Es gibt auf dem Altar zwei Möglichkeiten mit Ahnen umzugehen. Die eine ist, dass die Ahnen immer dabei sind.
Die Römer haben es so gesehen (und die Anhänger*innen des Cultus Deorum Romanorum oder der Religio Romana sehen es noch heute so). In ihren Lararien wurden und werden neben den Laren und Hausgötter auch immer die Ahnen eingeladen und verehrt.
Manche Hexen machen es genauso. Auf dem Altar gibt es eine kleine Ecke für die Ahnen. Ein Symbol – ein Foto, ein Gegenstand, der ihnen gehörte, oder etwas ganz anderes, vielleicht Abstraktes – steht oder liegt ständig da. Zum einen ist dies Erinnerung daran nicht alleine zu sein, und zum anderen ein Platz für Verehrung, Bitten oder Dank. Die Ecke muss nicht groß sein.

Manche Hexen haben allerdings auch einen ganz eigenen Ahnenaltar, wo die Vorfahren für sich alleine verehrt werden. In Vietnam beispielsweise sind Ahnenaltäre allgegenwärtig. Dort ist der Bàn Thờ ein sehr hoher, hölzerner Tisch, auf dem Bilder der Ahnen, eine Räucherschale in der Mitte des Tisches, ein Gefäß mit Salz und eines mit trockenen Reis, ein kleines Porzellan-Service mit Wasser, zwei Kerzen, zwei Vasen für Blumen und eine Schale für Opfergaben drapiert werden. Auch im Santeria gibt es den Bóveda, den Ahnenaltar; hier ist ein Artikel dazu.

Frage:
Wie handhabst du das? Und warum?

Hier sind ein paar Ideen für Ahnenaltäre, die nicht „alltäglich“ sind.

Übung:
Stelle einen Ahnentopf her!
Ziehe nach Belieben einen Kreis und lade die Elemente und andere Wesenheiten, die dir passend erscheinen, ein. Nimm eine Schale mit Deckel und reinige sie entweder mit Salzwasser oder mit einer Räucherung. Danach fülle sie mit Heimaterde. Dieser Begriff ist etwas schwammig; ich denke, dass es Erde sein sollte, von dem Ort, an dem deine Eltern leben oder gelebt haben. Darauf lege Gegenstände, die für dich eine Verbindung zu deinen Ahnen darstellen, zum Beispiel Fotos, auf Zettel geschriebene Namen oder kleine Erbstücke. Dann lade deine Ahnen ein, im Topf, den du für sie bereitet hast, Quartier zu nehmen. Den „Kanal zur Anderswelt“ aktivierst du, indem du, wenn du Hilfe brauchst oder ihren Rat suchst, schreibe deine Wünsche auf einen Zettel oder spreche sie in den Ahnentopf. Wichtig ist, dass das Anliegen mit dem Schließen des Deckels “losgelassen wird und den Ahnen überantwortet wird. Und du solltest stets als Dank – oder einfach nur weil du deine Ahnen magst oder ehren willst – eine Opfergabe in den Ahnentopf legen, eine Räucherung verbrennen oder eine Kerze anzünden.

Übung:
Errichte eine Ahnengalerie!
Sammle Fotos von deinen Ahnen. Denk daran, dass das nicht nur deine Vorfahren der „Blutlinie“ sein müssen; es können auch geistige oder spirituelle Vorfahren sein. Ich zum Beispiel habe sehr oft Lessing bei meinen Ahnen dabei, weil sein Nathan der Weise mich als Teenager stark geprägt hat, was meine Meinung zu Religion anbelangt. Sie müssen nicht in Rahmen sein, vielleicht möchtest du auch eine Collage aus ihnen erstellen. Aber arrangiere sie schön und schaffe einen würdigen und schönen Platz für sie. So eine Ecke kann auch ganz offen in deiner Wohnung stehen, selbst wenn du dich nicht als Hexe outest …
Ziehe nach Belieben einen Kreis und lade die Elemente und andere Wesenheiten, die dir passend erscheinen, ein. Reinige den Platz und die Bilder mit Rauch oder Salzwasser und dann sprich ein paar Worte, um deine Ahnen einzuladen. Verabschiede dich und löse den Kreis. Erde dich gut!
Vielleicht magst du bei deiner Ahnengallerie eine Kerze aufstellen, die du entzündest, wenn du dort eine Andacht hältst, oder eine Vase mit Blumen, die du regelmässig erneuerst als Opfergabe.

Übung:
Errichte einen Ahnenbaum!
Sammle Fotos von deinen Ahnen, Gegenstände, die dich an sie erinnern, oder Symbole, die für dich eine Verbindung herstellen. Dinge aus Papier und andere feuchtigkeitsempfindliche Sachen solltest du laminieren oder auf eine andere Art vor Regen schützen. Es sei denn du möchtest, dass die Dinge mit der Zeit vergehen. Bringe Fäden an den Bildern und Gegenständen an, so dass du sie aufhängen kannst. Suche dir einen Baum – vielleicht möchtest du auf eine Konnotation achten: Eiben beispielsweise sind stark mit der Unterwelt assoziiert. Noch heute stehen sie oft auf Friedhöfen.
Ziehe nach Belieben einen Kreis und lade die Elemente und andere Wesenheiten, die dir passend erscheinen, ein. Schmücke den Baum mit den Bildern und Gegenständen und dann sprich ein paar Worte, um deine Ahnen einzuladen. Bete und meditiere. Nimm Verbindung auf. Verabschiede dich und löse den Kreis. Erde dich gut!

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Über Nymphenkuss

Naturspiritualität im neuen Jahrtausend
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