Neumondmeditation

Eine Lehrerin sagte einmal zu mir, das machtvollste Wesen auf dieser Welt sei eine Hexe, die sich in jeder Situation erden könne.
Aber nicht nur erden, auch den eigenen Schmerz zu heilen, einen klaren Kopf zu bekommen oder sich seiner Kraft gewahr zu sein, ist eine unglaublich mächtige Gabe.

Steck deine Hände in die Erde, um dich geerdet zu fühlen. Wate im Wasser, um emotional zu heilen. Fülle deine Lungen mit frischer Luft, um einen klaren Kopf zu bekommen. Halte dein Gesicht in die wärmende Sonne und verbinde dich mit diesem Feuer, um deine eigene immense Energie zu fühlen.
– Victoria Erickson

gefunden bei Wild Women Sisterhood

Frage:
Was tust du, um dich zu stärken? Was sind deine „kleinen“ Tricks?

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Vollmondmeditation

Es sind Sommerferien; die Kinder sind zuhause; ich komme zu nichts. Wir sind im Garten, spielen, essen Eis. Wir waren am Meer, haben Muscheln gesammelt und Burgen gebaut.
Meine Spiritualität liegt nicht brach, aber ich bin geerdet, sehr, sehr, sehr geerdet und habe keine Zeit für Ahnen, Altäre und so’n hochfliegendes Zeug. 😉 Ich muss jetzt Stachelbeeren naschen und in die Strohburg klettern, schaukeln und Anschwung geben und im Gras liegend den Wolken beim Fliegen zuschauen.

Mit anderen Worten: Ich mache erst mal eine Pause.

Frage:
Und wie geniesst du den Sommer?

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Neumondmeditation

Es gibt immer wieder Phasen in unserem Leben, die ruppig sind. Stress, Streit, Schicksalsschläge – das alles passiert. Und das ist auch gut so, denn das gehört zu unserem Leben dazu. Vielleicht bleiben Nonnen und Mönchen egal welcher Konfession die beiden ersten Punkte erspart, aber selbst ein ganz auf Spiritualität ausgerichtetes Leben kann nicht vor Tod und Krankheit, Naturkatastrophen und menschlichen Auseinandersetzungen schützen …
Dann hilft es, wenn man Menschen um sich hat, die einem gut tun. Und je mehr, desto besser.


gefunden bei Soulapp

Frage:
Wer tut dir gut? Wie viele Menschen sind das? Verbringst du viel Zeit mit ihnen? Sagst du es ihnen?

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Ein frohes Mittsommerfest!

Ich wünsche euch allen ein frohes, und gesegnetes Mittsommerfest!

Tanzt und feiert mit euren Lieben!
Springt über das Feuer und erwünscht uns allen eine bessere Welt!
Lasst euch von der Sonne küssen und schwelgt in der Fülle des Sommers!

Mehr zu den Singvøgeln gibt’s hier.

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Elemente-Altäre

Da das Wort ‚Altar‘ oft in unseren Gedanken mit Kirche und Gott verbunden ist, liegt es nahe bei neuheidnischen Altären zuerst an Altäre für Gottheiten zu denken. Altäre können aber auch anderen Wesen gewidmet sein.

Frage:
Für wen oder was hast du schon einmal einen Altar oder eine Altarecke gestaltet?

Heute soll es bei Nymphenkuss um Altäre für die Elemente gehen, über die Ahnen und einen Ahnenaltar werden wir das nächste mal reden.

Frage:
Welche Symbole verwendest du für die unterschiedlichen Elemente? Für Luft? Für Feuer? Für Wasser? Für Erde? Für Mitte?

Übung:
Nimm dir ein bisschen Zeit und schreibe eine Liste mit den Antworten in dein Buch der Schatten oder einen Zettel. Denke an all die Dinge, die du für die fünf Elemente auf deinen Altar legen würdest. Was davon hast du? Was könntest du besorgen? Was könntest du basteln oder selbst herstellen?

Alles, was du selbst herstellst, hat durch deine Gedanken, deine Kreativität, deine investierte Zeit eine viel höhere Symbolkraft, als ein gekaufter Gegenstand. Sachen bekommen durch unsere Gedanken Bedeutung: Je mehr wir uns mit ihnen beschäftigen, desto mehr bedeuten sie uns. Auch Geschichten verleihen den Dingen Bedeutung: Geschenke, die wohlmöglich noch eine Vorgeschichte haben (ein Schmuckstück von Oma, die kleine Vase, in die deine Mutter die Blumen stellte, die du ihr als Kind gepflückt hast) sind bedeutungsvoller als etwas Gekauftes. Und je bedeutungsvoller etwas für uns ist, desto hoher ist sein Symbolwert und damit seine Kraft dich und deine Magie zu unterstützen.

Auf einen Wasseraltar würde ich folgendes legen und stellen: ein Schälchen Wasser, blaues oder grünes Altartuch, Muscheln, Seeigelgehäuse, Korallen (Ich habe noch welche von vor 30 Jahren; neu würde ich mir wegen der Gefährdung von Korallenriffen keine mehr besorgen.), Bilder von Seepferdchen, Delfinen, Lachsen, Robben, Weiheöl, mein Kelch, das alchemistische Symbol für Wasser, Tarotkarten der Kelche, Fläschchen mit Wasser aus verschiedenen Gewässern, Schwimmkerzen in einem Wassergefäß.
Bei diesen Sachen ist ihre Verbindung zum Element klar. Es können aber auch Dinge sein, deren Bezug nicht offensichtlich ist. Auf einen Feueraltar stelle ich beispielsweise immer ein kleines Fläschchen mit Olivinen, die ich an einem Starnd in Teneriffa selbst gesammelt habe. Der Edelstein ist grün und passt auf den ersten Blick vielleicht besser zur Erde, aber Olivine werden durch die Magmaströme in Vulkanen an die Oberfläche der Erde gebracht. Für mich daher ein Feuerstein.

Ein Altar ist immer hübsch, er macht gute Laune, er wirkt beeindruckend oder beruhigend und er bringt auch immer irgendwie seine eigene Magie mit. Doch als Reclaiming-Hexe will ich etwas bestimmtes erreichen mit meinem Handeln, mit meiner Magie. Ich habe eine Intention.
Eine solche Intention ist es auch immer gut zu haben, wenn du Altäre errichtest und damit Altarmagie wirkst. Fragen, die dich leiten können, sind: Was genau lade ich in mein Leben? Mit welchen Symbolen tue ich das? Wozu genau brauche ich Hilfe oder Beistand? Was genau wünsche ich mir? Was genau ist meine Absicht, wenn ich dies oder das tue?
Das bedeutet nicht, dass man nicht auch mal etwas machen kann ohne eine Ziel zu haben! Aber wenn ich Magie wirke, dann gibt mir die Intention die klare Richtung vor, in die ich die von meinem Ritual zu einem Speer geformten Energie werfe.

Frage:
Was erwartest du, wenn du einen bestimmten Elementealtar errichtest?

Und jetzt noch ein paar Ideen für Übungen. Noch einmal zur Erinnerung: Wenn dir etwas nicht passt oder sich falsch anfühlt, dann ändere es!

Übung:
Gestalte einen kleinen Altar für die Elemente! Vielleicht richtest du die entsprechenden Ecken nach den entsprechenden Himmelsrichtungen aus. Oder Legst Tücher als Altardecken unter, die in entsprechenden Farben sind. Spiele damit: Wie wirkt der Altar, wenn du je nur ein Symbol hast? Wie, wenn es ganz viele sind? Wie, wenn es nur Tarotkarten sind? Oder nur die Werkzeuge? Oder nur die Elemente an sich?

Übung:
Errichte einen kleinen Elementealtar, der über den Jahresverlauf in den Jahreszeiten jeweils dem entsprechenden Element gewidmet ist. Wie fühlt sich das an? Notiere dir deine Beobachtungen.
Oder versuche es mit einer gegenläufigen Widmung. Vielleicht brauchst du im Sommer nicht noch mehr Feuer, sondern mehr Erde? Notiere dir auch hier deine Beobachtungen.

Übung:
Mittsommer steht vor der Tür und der Sommer beginnt bald, noch ist Frühling und die Zeit der Luft. Wie kannst du auf deinem Altar diesen Übergang gestalten? Hast du Gegenstände, die du nach und nach austauschen kannst? Gestalte einen Altar oder eine Altarecke für die Luft und zelebriere jetzt in der Übergangszeit einen Wechsel von Luft zu Feuer!

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Wenn Runen zur Verrenkung werden

Ich war vor einiger Zeit auf einem von Asatru geleiteten Ritual. Die magische Arbeit war vielleicht schön – eine Trommeltrance -, aber beim Einladen der Gottheiten wurde neben Runentönen auch Runenstellen verwendet. Und das geht gar nicht!
Ich und die Runen mögen uns, aber wir haben noch keine Freundschaft geschlossen. Trotzdem weiß ich, dass Runenyoga oder Runenstellen nichts mit den germanischen Benutzern und Erfindern der Runen zu tun hat, sondern keine 100 Jahre alt ist und von einem politisch höchst rechts einzustufenden Mann erfunden wurde. Warum also soll ich das machen? Oder irgendjemand? Warum sollte meine Aufmerksamkeit und damit meine Energie einer rassistischen Idee folgen?
Das find eich schon schwierig zu beantworten, aber warum muss eine solche politisch rechts begründete Praktik auf einem öffentlichen Ritual gezeigt werden? Asatru werden doch eh schnell mit esoterischen Neonazis in einen Topf geworfen. Warum erfolgt da keine strenge Distanzierung – auch und gerade in solchen Praktiken?

Ein Grund mag mangelnde Sachkenntnis sein. Oder dass sie bisher nicht darüber reflektiert haben. Also habe ich beschlossen, einen Artikel für Nymphenkuss zu schreiben. Aber wie ich schon sagte, bin ich alles andere als eine Runnenkennerin. Aber ich bin ja ein großer Fan von Experten-Meinungen; daher lag nichts näher, als eine einzuholen. Wie das Schicksal es so wollte, habe ich ja vor ein paar Wochen einen Menschen kennengelernt, der nicht nur ein sehr, sehr fundiertes Wissen über die Runen hat, sondern auch noch überaus sympathisch ist. Dieser Mensch heißt Duke Meyer und neben vielen anderen wunderbaren Dingen hat er den Orakeldienst Eibensang auf Facebook, wo er jeden Tag zu einer gezogenen Rune etwas schreibt, und das wunderbare Buch „Das Lied der Eibe– Eine Runen-Reise durch das Ältere Futhark“ geschrieben, mit dessen Hilfe ich bestimmt eine innige Freundschaft mit Runen schließen werde.
Ich habe Duke also gefragt. Und hier ist sie, die Expertenmeinung. Duke hat extra für Nymphenkuss in seinem treffenden und witzigen (im ursprünglichen Sinne des Wortes von geistreich und daher lustig) Stil einen Artikel zum Thema geschrieben und mir auch noch erlaubt, Auszüge aus seinem großartigem Buch hier zu veröffentlichen. Danke dafür, Duke!

Wenn Runen zur Verrenkung werden

Auch schon mal dabeigewesen, wenn sich Leute eine Hand auf den Kopf legen, wodurch der Arm einen Winkel bildet und die damit eingenommene Körperhaltung in etwa die Form der Rune Wunjo nachstellt, die „Wonne“ bedeutet – die daraufhin Leib und Seele der dies Ausübenden durchfluten soll?
Ich probierte das auch, lange und immer wieder – mit dieser und anderen Runen… Spätestens bei etwas komplexeren, nicht so ganz der menschlichen Ergonomie entgegenkommenden Zeichen wie den Runen Sowilo, Mannaz, Dagaz oder auch nur Raidho (wackel-wackel…) empfand ich das Ganze eher als ungemütlich oder zumindest albern. Irgendeine „Wonne“ wollte sich jedenfalls nicht einstellen – weder bei dieser noch einer anderen Rune: nicht, wenn ich in mich hineinhorchte, was die Verrenkung mit mir machte und auch nicht, was ihre möglichen weiteren Folgen betraf. Woran liegt’s? Die Antwort ist eigentlich einfach: Es handelt sich keineswegs um geheimnisvolle altgermanische Magie, sondern halbwegs neumodischen Blödsinn mit okkultem Anstrich. Der Hintergrund allerdings ist ernster, als sich der Quatsch selbst anfühlt. Im Folgenden ein Appell an die magische Vernunft. Gibt es so etwas? Nur, wenn wir es zulassen. Was lassen wir zu und warum? Was erkennen wir an und was nicht? Wem oder was führen wir Energie zu – und was wollen wir erreichen? Lassen wir uns selbst etwas einfallen, oder turnen wir einfach alles nach, was uns jemand vormacht, im frommen Glauben, es bringe uns weiter? Ist solcherlei blinde Gefolgschaft einer ernstnehmbaren magischen und verantwortungsbereiten Lebenshaltung würdig?

Als „Runenstellen“ oder „Runen-Yoga“ wird das Nachstellen von Runenformen mit dem menschlichen Körper bezeichnet. Ursprünglich nur mit dem so genannten „18er System“ oder „Armanen-Futhork“ verbunden (einem ideologischen Runenkonstrukt, das Ariosophie-Begründer Guido List Anfang des 20. Jh. in die Welt setzte), wurde das Runenstellen im späten 20. Jh. auch auf die Runen des (damals von der Esoszene allmählich wiederentdeckten) Älteren Futhark übertragen. Inzwischen empfiehlt fast jedes esoterische Runenbuch solche Übungen und enthält detaillierte Anleitungen dazu. Spätestens seit den Runenbüchern Edred Thorssons (bürgerlich Stephen Flowers), der dasselbe mit „Stadha“ bzw. „Stödhur“ (altnordisch für Stehen oder Stellen, jeweils Singular/Plural) überschrieb, wird die Runenstellerei allgemein als „alte germanische Tradition“ betrachtet, die zu Runen gleich welcher Art offenbar dazugehört wie die Hörner zum Wikingerhelm (auch falsch) oder der Arsch zum Eimer. Tatsächlich ist „Runenstellen“ ungefähr so germanisch wie zwei Öltanks im Garten oder Glutamat im Essen (nur noch um einiges ungesünder, jedenfalls für Geist, Gemüt und Seele und damit auch für jegliche magische Praxis).

Das Phänomen hat eine einzige historische Quelle – und die entstammt nicht etwa irgendwelchen Bräuchen alter germanischer Kulturen zu Zeiten der Antikeoder des Mittelalters (selbst die im Hochmittelalter verfasste „Edda“ enthält keinerlei Hinweise auf diesbezügliche Praktiken einstiger heidnischer Germanenkulturen), sondern geht auf den Okkultisten Friedrich Bernhard Marby zurück, der 1934 eine diesbezügliche Broschüre veröffentlichte. Ihr Titel
sagt im Grunde bereits alles Wesentliche aus über Herkunft, Idee und Zielrichtung der Sache: „Rassische Gymnastik als Aufrassungsweg“. Das ist so unappetitlich und menschenfeindlich, wie es klingt – und wird von all denesoterischen Autor*innen, die diese Körperverrenkungen als magische Übung und meditatives Studium und sinnliches Erfahren von Runenkräften empfehlen und vorstellen, verschwiegen. Wohlweislich? Oder warum? Viele, die darauf schwören und beharren, wissen es nicht: Sie haben keine Ahnung, woher das stammt – einmal oder auch wiederholt darauf aufmerksam gemacht, verweigern sie sich jedoch jeder Konsequenz der Erkenntnis. Sie „meinen“ es ja „ganz anders“ und seien oder sähen es jedenfalls „unpolitisch“. Ja, klar: Du kannst auch ständig bei McFett futtern und es irgendwie „vegan meinen“ und/oder dir ein paar warme ökologische Gedanken machen.

Aber von Leuten mit solcher Geistes- und Lebenshaltung lasse zumindest ich mir nichts mehr erzählen über „magisches Bewusstsein“, das angeblich auf „verborgene Zusammenhänge“ achtet (über physikalisch beweisbare Kausalketten hinaus) und irgendeine Konsequenz daraus zöge, dass „alles mit allem“ zusammenhängt. Offenbar aber doch nur das, was gerade in den persönlichen Kram passt und nicht unangenehm oder unbequem werden könnte, und sei es nur dadurch, dass sich eine vermeintliche Bewusstseinsvertiefung oder -erweiterung als blödsinnige Verrenkung erweist, die ihre magische Energie aus giftigen Quellen bezieht und magisch wieder dorthin zurückführt. Übertrieben? Nun – der beharrliche Verzehr von Glutamat und anderen Neurotransmittern bringt auch so schnell niemand um. Nicht jeder Schaden ist offensichtlich und eindeutig auf bestimmte Quellen zurückführbar – was nicht heißt, dass es keinen gäbe. Fürs Runenstellen gilt Entsprechendes. Was zwingt eigentlich dazu, an so etwas festzuhalten?

Im Folgenden noch einige Textauszüge rund ums Thema aus „Das Lied der Eibe– Eine Runen-Reise durch das Ältere Futhark“ von Duke Meyer (Edition Roter Drache), das wirklich empfehlenswert ist!

Selbst die besseren und anspruchsvolleren Runenschmöker empfehlen zum Beispiel fast ausnahmslos „Runen-Yoga“, das Nachstellen von Runenformen mitdem eigenen Körper, ohne die rassistische Intention und ausschließlich militaristischen Quellen solcher Übungen auch nur zu erwähnen, geschweige denn zu erklären. So machen sie sich gerade für Neulinge unüberprüfbar und werden zu Denkfallen-Trägern – und für spirituelle Sinnsuche und Lebensbewältigung sogar zu heimlichen Giftquellen. Warum ist so etwas Gift? Weil das Tun seiner Quelle Energie zuführt und aus ihr überträgt, und das Runenstellen hat nun mal nur eine einzige: die Intention, rassistischen Ansichten mittels obskuren Turnereien einen okkulten Anstrich zu verleihen.) Als ich 1984 zum ersten Mal auf Runen stieß – in einem denkbar miserablen Eso-Machwerk, das mir ein Kumpel unversehens in die Hand gedrückt hatte –, war ich noch bekennender Atheist. So sehr mich die Runen auf Anhieb faszinierten, so vehement stieß mich das menschen- und insbesondere frauenfeindliche Gegeifer ab, das als „Erklärung“ aus dem ariosophischen
Ideologiekonstrukt quoll wie Eiter aus schwärenden Wunden. Igitt, jawoll. Was Ariosophie bedeutet und wie diese esoterische „Rassenlehre“ bis heute in fast jedem esoterischen Sehnsuchtswinkel (insbesondere magischer Runenkundlerei) zumindest in Spurenelementen vor sich hingiftelt, erfuhr ich erst viel später. Fortgeschrittene erkennen solche Fallen oft nur schwer – für Unkundige ist es fast unmöglich.
(aus „Das Lied der Eibe“ von Duke Meyer, „Vorwort des Verstandes“

(…) das so genannte „Armanen-Futhork“ oder 18er System. Dieses unterscheidet sich von historischen Runensystemen in drei Merkmalen: Erstens hat es sich nicht innerhalb einer antiken oder mittelalterlichen Kultur entwickelt, sondern wurde Anfang des 20. Jh. von einer Einzelperson konstruiert (und ist damit ungefähr so germanisch wie ein Öltank). Zweitens sind die Bedeutungen der Zeichen in diesem System nicht offen, unklar, widersprüchlich oder rätselhaft, sondern klar und deutlich festgelegt. Drittens diente seine Erschaffung einem Zweck: nämlich dem, einem höchst neuzeitlichen Rassismus nationaldeutscher Prägung einen künstlichen, möglichst germanisch anmutenden Bodennebel zu verpassen. Die bereits in der Theosophie – einer Art Eso-Kult zur Rechtfertigung von Kolonialismus – gepredigte Einteilung von Menschen in unterschiedlich wertvolle „Rassen“ (es ist sogar wörtlich von „Wurzelrassen“ die Rede) wird damit grob irreführend einer zeitlich weit zurückliegenden Nomaden- und Bauernkultur zugeschrieben, deren historische Angehörige sich über derartige Ansichten vermutlich höchst verwundert die Augen gerieben hätten. Im Klartext: Das Runensystem des Rassisten Guido List (1848-1919) dient dazu, die von ihm begründete Rassenlehre der Ariosophie inhaltlich zu stützen und ihren menschenfeindlichen Thesen einen okkulten Überbau zu verleihen. Zu diesem Zweck wurde es geschaffen und taugt definitiv zu nichts anderem. Ich traf Runenkundige, die an diesem System kleben und partout nichts von seiner Herkunft und magischen Wirksubstanz wissen wollten – sie würden es doch „ganz anders“ verwenden, lautete die typische Beschwichtigung. Ich finde es allerdings merkwürdig, wenn ausgerechnet Leute, die einen Ahnenkult betreiben, magiegläubige Auffassungen vertreten („Alles hängt mit allem zusammen“) und bisweilen höchsten Wert legen auf ihre kulturhistorischen Detailkenntnisse über mehrere Jahrhunderte europäischen Mittelalters, einschneidende Ereignisse und Entwicklungen der jüngsten zweihundert Jahre als irrelevant übergehen und auf diesbezügliche Argumente reagieren, als müssten sie sich lästiger Stubenfliegen erwehren… Angesichts solcher Sitten verwundert es wenig, dass das „Runensystem“ des listigen Herrn List gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jh. weiteste Verbreitungfand. In der Esoterikszene war es jahrzehntelang das einzige bekannte Runensystem überhaupt und es ist bezeichnend, wie viele ariosophische Glaubenssätze und Annahmen sich darüber auch in Köpfen und Kreisen festsetzen konnten, die sich für Runen überhaupt nicht interessierten, bestimmte weltanschauliche Inhalte aber willig aufsogen und fleißig weiterverbreiteten. Bis heute finden sich die List-Runen auf populären Tarotdecks wie zum Beispiel dem Haindl-Tarot (das sonst, soweit ich informiert bin, völlig untadelig ist. Selbstverständlich gibt es auch eigene „Runen-Tarots“,
die allerdings – ob als Tarotdeck oder reine „Runenkarten“ – oft auch Variantendes Älteren Futhark oder irgendwelche Mischformen verbreiten). Die jeweils mitgelieferten Deutungen sind meist von freischwebender Abenteuerlichkeit und entsprechen in ihrer Güte dem esoszene-typischen Wissensstand über Quantenphysik, der schon Schroedingers Katze zu stroboskopartigen Entkarnierungsversuchen trieb. Aber nicht alles ist lustig oder harmlos. So gut wie kein esoterisches Runenbuch, das die Armanenrunen Lists als „die Runen“ präsentiert, verliert ein Wort zur tatsächlichen Herkunft oder gar Intention dieses Systems. Stattdessen sind die damit transportierten ariosophischen Inhalte so lange mit esoterischem Schwampf verquirlt worden, bis die rassistische Substanz nicht mehr als solche zu erkennen war – jedenfalls nicht ohne profunde Kenntnis der entsprechenden Lehren und einen Sprachsinn, der auch in Licht-und-Liebe-Texten versteckte Inhalte und Zutaten aus Ungeists Giftküche aufzuspüren versteht und zur Kenntlichkeit entblößt… Da in der Esoterikszene keinerlei Quellenprüfung üblich ist und beliebige Ideen sich verbreiten können wie Schnupfenbazillen, ist den meisten Autorinnen und Autoren der möglicherweise menschenfeindliche Hintergrund der von ihnen kolportierten „Lehren“ und „Geheimnisse“ nicht bewusst. Oft haben gerade diejenigen Menschen, die ariosophische Ansichten („Sonnenvölker versus Mondvölker“, „‚Wüstenreligion‘ Christentum“, „germanisches Volksganzes“, „Artglaube“ etcetera) besonders vehement vertreten, von Ariosophie noch nie etwas gehört. Weder deren Begründer Guido „von“ List noch Helena Petrovna Blavatzkys vorausgegangene Theosophie sind ihnen ein Begriff. Überprüfbare Informationen wehren sie gern mit der Beteuerung ab, „unpolitisch“ sein zu wollen. Kann ich gut verstehen. Ich selbst zum Beispiel interessiere mich null für LKWs und PKWs; die meisten Erscheinungen und vor allem auch Folgen massenhaften Einsatzes von Verbrennungsmotoren sind mir unangenehm bis unsympathisch, ich lehne sie gewissermaßen ab. Was heißt das nun für meine Teilnahme am Straßenverkehr? Wer Unliebsames einfach ignoriert, wird womöglich davon überfahren. Der Unterschied zwischen dem Überrolltwerden von einem stinkenden Töfftöff und dem Einsaugen einer möglicherweise gut parfümierten Ideologie ist: Letzteres merkst du vielleicht nicht.
Da List Runenformen aus dem Jüngeren Futhark übernahm und nur am Rande aufstockend „ergänzte“, ist das 18 Zeichen zählende „Futhork für den germanentümelnden Herrenmenschen“ (Bezeichnung von mir) vom 16 Zeichenzählenden Jüngeren Futhark der Wikinger auf Anhieb kaum zu unterscheiden, jedenfalls nicht für Ahnungslose oder im Umgang mit Runen noch Ungeübte. List selbst wollte sein System offenbarungsartig „empfangen“ haben – währender monatelang mit verbundenen Augen im Krankenhaus lag, wo er eine Operation an Grauem Star auszukurieren hatte. Inhaltlich ordnete er den so genannten „Runenversen“ aus der Edda willkürlich Runennamen zu, weshalb erüberhaupt auf die Anzahl seiner Zeichen kam. (Die Edda beschreibt in 18 Versen verschiedentliche Wirkungen von Runen, ohne deren Namen zu verraten.) Dramatischer ist natürlich die von List hineingewobene Weltanschauung, die trotz einiger inhaltlicher Abweichungen späterer Abschreiber und trotz mancher (mehr oder minder geglückter) Beschwichtigungsgesten esoterischer Nachfolger (Spiesberger u.v.a.) nie völlig entschärft wurde – was bei einem derart perfide durchsetzten Werk wie dem Lists auch schwerlich gelingen kann. Ohnehin dürften die meisten seiner Adapteure eine grundlegende Richtungskorrektur gar nicht im Sinn gehabt haben. Lediglich als allzu offenkundige Claqueure eines inzwischen eher peinlich gewordenen Herrenmenschentums wollten sie nach total verlorenem Vernichtungskrieg nicht mehr dastehen, daher rangen sie sich die eine oder andere kosmetische Schönwetterformulierung ab. Im Wesentlichen beriefen siesich jedoch weiter auf die ariosophische Wertekategorie, sie drückten es nur weniger krass aus. Lists Auffassung einer „Überlegenheit der arischen Rasse“ wurde nicht mehr offen kolportiert, bleibt in der Quintessenz der jeweiligen Aussagen jedoch auch bei den meisten seiner geistigen Nachfolger herauslesbar. Und keineswegs geht es immer oder überall um „Rasse“ (im Tarnsprech von heute längst „Ethnopluralismus“ genannt), die solche Begriffe hervorbringende Denke quillt in alle Bereiche. Noch bei Spiesberger finden sichbeispielsweise Warnungen vor einer „Verstrickung ins Dämonium der Weiblichkeit“ und Ähnliches, was sich nicht allein durch gruselige Oberfläche auszeichnet, sondern in klar menschenfeindlichen Grundierungen wurzelt. Diese allerdings sind letztlich immer dieselben beziehungsweise sie laufen auf dasselbe hinaus: willkürliche Ausgrenzung von Menschengruppierungen aus der Gesellschaft und Aberkennung ihrer Rechte.
(aus „Das Lied der Eibe“ von Duke Meyer, Kap. XXI – „Hier und Jetzt“)

(…) Dafür ist Algiz (aufrecht) die einzige Rune, die sich wirklich sinnvoll mit dem menschlichen Körper darstellen lässt – aus dem einfachen Grund, weil die Form des Zeichens bereits ganz unabhängig von diesem die menschliche Urhaltung einer elementaren Anrufungsgeste darstellt: aufrechtes Stehen mit erhobenen Armen. Da diese Geste in unterschiedlichsten Kulturen üblich oder zumindest bekannt ist, steht sie in keiner zwingenden Verbindung mit irgendeinem „Runen-Yoga“ – oder wie immer das Nachstellen runischer Formenmit dem menschlichen Körper gerade genannt werden mag: Entsprechende Übungen gehen allesamt (auch, wenn sie wie bei einem Herrn Thorsson irreführenderweise altnordische Namen wie „Stadha“/“Stödhur“ tragen) auf eine einzige Quelle zurück. Sie ist nicht germanisch oder anderweitig althergebracht und schon gar nicht irgendwie schamanisch oder gar bewusstseinserweiternd, sondern nur deutsch in einem militaristischen Sinn. Bekanntester Propagandist derartiger Turnübungen ist Friedrich Bernhard Marby. Seine 1934 erschienene Broschüre zum Thema trägt den vielsagenden Titel „Rassische Runengymnastik als Aufrassungsweg“, der in seiner Klarheit eigentlich keine Fragen offen lassen dürfte… Überleg dir also gut, ob du deinenKörper zu Posen verbiegen willst, die einer Sowilo, einer Fehu, Berkana oder sonst einer Rune ähneln. Magisch führst du damit einer Quelle Energie zu, die auch die menschliche Seele einem geometrischen Vorbild anpasst: einer Ideologie. Es ist dabei gar nicht so erheblich, welcher. Anpassungen von Menschen an Ideologien haben stets dasselbe Ergebnis: Die Seele zerknickt dabei.
(aus „Das Lied der Eibe“ von Duke Meyer, Kap. XXI – „Hier und Jetzt“)

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Ich distanziere mich vom Spiraltanz-Forum

Als das Spiraltanz-Forum vor gut zwei einhalb Jahren entstand, war ich von Anfang an als Moderatorin dort tätig. Es sollte ein Forum für deutschsprachige Reclaimer*innen sein. Und ich war (und bin es immer noch) überzeugt davon, dass ein Forum eine gute, vielleicht bessere Möglichkeit bietet miteinander zu kommunizieren, als z.B. auf Facebook. Im Forum kann tiefergehend diskutiert werden, die Beiträge können gut archiviert werden und bieten so auch später noch eine gute Möglichkeit etwas nachzuschlagen. Und ganz besonders bietet ein Forum in einem geschützten, nicht öffentlichen Bereich die Möglichkeit mit einer online-Gruppe zu arbeiten. Ich war (und bin) voller Begeisterung dafür, ein solches Unterfangen zu unterstützen.

Die Administartorin des Spiraltanz-Forums hat sich jedoch politisch in eine Richtung entwickelt, für die ich kein Verständnis habe. Im Dezember 2016 hat sie sich deshalb mit anderen Reclaimer*innen auf zwei verschiedenen Kommunikationskanälen überworfen und dort zurückgezogen. Am 26.Mai hat sie das im Forum aufgegriffen und dort Anschuldigungen gegen Reclaimer*innen und die Facebook-Gruppe Reclaiming Deutschland erhoben. Ich habe sie versucht sie möglichst objektiv richtig zustellen. Ich bedaure es, dass es öffentlich im Forum besprochen werden musste. Aber da die Administratorin in einem öffentlichen Forum, das jede*r lesen kann und das ohne Probleme bei jeder Suchmaschine zu finden ist, Anschuldigungen gegen andere erhoben, muss in meinen Augen auch die Klärung oder Richtigstellung öffentlich erfolgen. Ich möchte und kann nicht zusehen, wie sowohl meine spirituelle Tradition als auch Menschen, die mir viel bedeuten und meinem Herzen nahe sind, öffentlich diskreditiert werden.

Spätestens mit dieser Diskussion wurde mir klar, dass unsere politischen Ansichten einfach nicht zusammenpassen und ich nicht mit dieser Administratorin in einen Topf geworfen werden möchte.
Ich habe mich daher mit dem Problem intensiv in meiner täglichen Praxis beschäftigt. Das Ergebnis war: Ich möchte nicht mehr Moderatorin im Spiraltanz-Forum sein.
Als ich zu dieser Entscheidung gekommen war und sie im Forum verkünden wollte, habe ich gesehen, dass ich das bereits nicht mehr war. Die Administratorin hatte mir die Moderatorinnenrechte bereits entzogen, ohne es mir mitzuteilen. Auch das bestärkt mich in meiner Entscheidung.

Ich weiß, dass ich eine ganze Reihe Menschen zu dem Forum gebracht habe; sei es durch diesen Blog, mein öffentliches (virtuelles) Auftreten als Reclaimerin oder als Lehrerin von online-Kursen. Daher sehe ich es als meine Pflicht an, mich ganz deutlich von der Administratorin des Spiraltanz-Forums und dem Forum an sich zu distanzieren und abzugrenzen.

Es tut mir leid.
Bitte verzeih mir.
Danke.
Ich liebe dich.

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